E-Drum-Podest zur Körperschallentkopplung
- andreasschmid79
- 19. Juni 2022
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Aug. 2022
Ausgangslage: Ein E-Drumset wird meist gekauft, um die lieben Mitmenschen nicht mit Schall zu belästigen. Wie so oft in der Technik müssen aber zunächst die Begriffe sauber definiert werden, damit die Verständigung ohne Missverständnisse erfolgen kann. Oft werden die Begriffe durcheinandergebracht und es entsteht Verwirrung.
Nachfolgend möchte ich daher die Begriffe definieren und gleichzeitig einige "Mythen" aufklären. Ich versuche es knapp zu halten, damit das hier nicht zu einer "Grundlagen der Akustik" Vorlesung wird.
Begriffsdefinitionen
Luftschall
Das was man direkt im Raum wahrnimmt, ist der in der Luft fortgeplanzte Schall. Er wird vom Ohr aufgenommen. Dabei werden die Schallwellen innerhalb des Raums reflektiert, absorbiert oder verstärkt.

Im konkreten Fall bei E-Drums ist der Luftschall der Schallanteil, den man hört, wenn man im gleichen Raum wie das E-Drum steht. Wenn man möchte, dass es im Raum "leiser" wird, hilft nur eins: sog. Schallabsorptionsfläche. Hier gibt es professionelle Lösungen für Schallabsorber (wie z. B. das hier: https://amzn.to/3NBt7Xo (*). Die einfachste Möglichkeit für die Raumdämpfung sind allerdings immer noch Teppiche und Vorhänge. Glatte Flächen (Fliesen, Glas) sind zu vermeiden - sie reflektieren den Schall. Aus dem Grund sind im Studio auch die Glasscheiben zum Kontrollraum immer leicht schräg.
Wen das Thema der Raumakustik tiefer interessiert, der findet in entsprechender Fachliteratur (z.B. hier https://amzn.to/3J1PG40) (*) vertiefende Informationen.
Körperschall

Mit Körperschall wird der Schall bezeichnet, der im Bauwerk entsteht und durch ihn weitergeleitet wird. Bekanntes Beispiel ist hier die Bohrmaschine, die man im ganzen Haus hört.
Und hier haben wir auch die Erklärung, warum der Nachbar zwei Stockwerke tiefer noch die Bassdrum hört: einerseits pflanzen sich die "Tritte" der Fussmaschine im Mauerwerk/Beton fort und andererseits wird der Luftschall der Bassdrum im Raum in das Mauerwerk "eingespeist", pflanzt sich dort als Körperschall fort und gibt zwei Stockwerke den Schall wieder in Form von Luftschall ab.
Trittschall
Der Trittschall ist eigentlich nichts anderes als eine besondere Form des Körperschalls. Beim Laufen auf dem Boden wird der Boden zum schwingen angeregt, die Schwingungen pflanzen sich im Baukörper fort und geben den Schall in Form von Luftschall an anderer Stelle (eben auch zwei Stockwerke höher oder tiefer) wieder ab.
Was heisst das jetzt für das E-Drum Set?
Aus den obigen Ausführungen leiten sich zwei Erkenntnisse ab:
Luftschall im Raum absorbieren Das geht am besten und einfachsten mit Teppichböden, Wandteppichen, Vorhängen, Möbel (am besten Stoff). Die Eierschalenkartons bringen übrigens fast nichts.
Massive Umschliessungsflächen Wenn die Umschliessungsflächen (Wand, Decke, Böden, Türen) möglichst massiv sind, hilft das auf jeden Fall, denn dann wird der Luftschall nicht in den nächsten Raum übertragen. Massive Bauteile vermeiden auch die Einleitung von Schall in das Bauwerk, denn sie lassen sich nicht so einfach zum schwingen anregen. Damit wird dann weniger Luftschall in Körperschall umgewandelt.
Körperschallentkopplung für das E-Drum-Set ist ein Muss. Und weil das so wichtig ist, ist das ausführlich im nächsten Kapitel beschrieben.
E-Drum Podest zur Körperschallentkopplung - Eigenbau
Für mein eigenes E-Drum Set hab ich mir mein eigenes Podest gebaut.
Der Aufbau ist relativ einfach, von oben nach unten sind das die folgenden Werkstoffe:
stabiler Teppich, am besten ein Industrie-Nadelfilz Teppich hab ich beim örtlichen Teppichhändler geholt, die haben meistens Reste ungefähr so was https://amzn.to/3u1OzNF (*)
MDF- oder Multiplex-Platte, ca 24mm ungefähr so was https://amzn.to/35BHmdK (*) Mein Podest ist 170cm x 80cm gross. Das passt super für ein Standardset. Die Platte kann man auch gut beim örtlichen Baumarkt oder Schreiner kaufen.
Styroporplatte 25mm Die Styroporplatten habe ich mit Styroporkleber direkt unter die Multiplex-Platte geklebt. Das ist die erste Stufe der Körperschallentkopplung.
Jetzt kommt das entscheidende: die zweite Stufe der Körperschallentkopplung: für die Körperschallentkopplung braucht man etwas weiches. Die Weichheit ist entscheidend: Wenn es zu hart ist, dann ist die Körperschallentkopplung nicht gut. Wenn es zu weich ist, wird die Entkopplung gleichzeitig darf es nicht zu weich sein. Es gibt hier verschiedene Ansätze:
halbierte Tennnisbälle Find ich nicht geeignet, die sind zu hart um eine adäquate Körperschallentkopplung gewährleisten zu können.
Sylomer ist technisch gut geeignet, allerdings teuer. z.B. so was: https://amzn.to/3EmhVdc (*) Die sind pro Pad mit 20 kg belastbar. Man teilt einfach das Gesamtgewicht der Konstruktion durch 20 kg, dann kennt man die Anzahl der Pads.
Kautschuk- oder PE-Dämmungsmaterial für Heizungsrohre z.B. so was: https://amzn.to/3J1Arbw (*) ich hab mich dafür entschieden. Dazu hab ich ca. 6cm lange Stücke abgeschnitten und auf A4-Kartons geklebt, pro A4-Karton ca. 6 Stück Teile. Davon hab ich dann 10 Stück angefertigt und diese unter der Styroporplatte geschoben. Das hat den Vorteil, dass man je nach Schwerpunkt der Konstruktion die Pakete verschieben kann.
Mein fertiges Podest, ca. 170 x 80 cm. Der Hocker selbst steht nicht auf dem Podest, das spart Platz. Achtung: das Podest darf nicht an der Wand anstehen, sonst gibt es dort wieder Körperschallübertragungen.


Die Styroporplatte ist seitlich mit Aluminiumklebband abgeklebt, damit der Styropor nicht abbröckelt
E-Drum Podest zur Körperschallentkopplung - Pfannenfertig
Natürlich gibts die E-Drum Podeste auch fix fertig zu kaufen.
Wenn mann "edrum podest" googelt, zeigt es einem die fertigen Podeste an. Die kosten in der Regel zwischen 400 und 500 EUR. Technisch sind die sicher gut, aber wenig flexibel hinsichtlich der Grösse und ausserdem - meines Erachtens - teuer.
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